Reisebericht

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Madagaskar by bike:

Madagaskars schwerer Weg von der Kolonie zur "afrikanischen" Demokratie.

Hier sollte Andrainampoinimerina 1793 die Hauptstadt seines Königreiches gegründet haben? Das sollte der Ort sein, an dem rund 100 Jahre später die Franzosen ihr Protektorat über die "große Insel" verhängten? Die Spuren der Königsherrschaft sind spärlich, die der Kolonialzeit verblassen. Nur wenige Jugendstilhäuser und Kirchen erinnern an die französische Kolonialherrschaft. Dennoch hat Madagaskar auch nach der Unabhängigkeit 1960 seine Identität nur schwerlich wiedergefunden. Die Lücken zwischen Fortschritt und Tradition sind kaum zu überwinden und selbst die junge demokratische Bewegung scheint bislang keine Brücken schlagen zu können. Nichts hat sich geändert. "Wir haben - ral-bol!- die Schnauze voll", meint Fano, den wir in einer der Garküchen kennengelernt haben. "So viel Hoffnung haben wir gehabt, wißt ihr 1993". Nichts wissen wir. Madagaskar war aus den deutschen Medien verschwunden. "1993 haben wir einen neuen Präsidenten gewählt. Aber es ist ein großes Problem, daß er keine Macht hat", erklärt Fano. Seine Stimme klingt resigniert. Von der Rova, dem alten Köngispalast aus, überblicken wir die ganze Stadt: Von zwölf Hügeln umgeben, ist die Hauptstadt zum Schmelztiegel aller Bevölkerungsgruppen geworden. Indonesier, Araber, Afrikaner, Europäer, Chinesen haben sich hier zu einer bunten Gesellschaft vermischt. Wer aber die große Insel als erster besiedelt hat, konnten selbst die Historiker nicht klären. Die dunklen Augen Fanos lachen: "C´est comme ça à Madagascar"- das ist eben so in Madagaskar.

Die Hauptstadt Antananarivo, die "Stadt der Tausend"

Zurück auf dem Zooma, dem großen Freitagsmarkt, sind Politik und Geschichte vergessen. Die ganze Stadt hat sich in einen überdimensionalen Marktplatz verwandelt. Zwischen Lilien, handgeflochtenen Bastmatten und Tüchern bahnen wir unseren Weg zu den Fischständen. Vorbei an Ananas, zockenden Kindern und einer Frau, die inmitten ihrer Hühner eingenickt ist, weiter zu den Edelstein- und Gewürzhändlern. "De la vanille Monsieur. Très bonne qualité". Doch die beste Qualität ist längst exportiert. 40 % der Vanille auf dem Weltmarkt stammt aus Madagaskar. Der intensive Duft der schwarzen Schoten und der frisch gerösteten Kaffeebohnen vermischt sich mit den Autoabgasen der Taxis und Busse, die sich im Schrittempo durch die Straßen quetschen.

Am nächsten Morgen ist alles wie weggeblasen. Der Wind läßt die liegengebliebenen Tüten und Papiere auf den leeren Straßen tanzen. Allein am Bahnhof drängen sich schon Passagiere, um eine Fahrkarte zu ergattern. Mit dem Zug fahren wir ins 160 km südlich gelegene Antsirabe, die Edelsteinstadt Madagaskars. Ab hier sollte unsere Radtour richtig starten. Aber nach nur zehn Kilometern Fahrt hören wir seltsame Musik.


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