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Madagaskar by bike:Einladung zu einer fröhlichen Leichenwendfeier Immer mehr Menschen begegnen uns auf der sonst verlassenen Straße und als wir um die nächste Kurve biegen, erblicken wir auf einer leichten Anhöhe ein Grabmahl, um das sich feiernde Menschen versammelt haben. Vorsichtig schieben wir unsere Räder näher. "Venez, venez!". Einer der Männer hat uns gleich gesehen. Wie sollten wir ihm nun klar machen, daß wir auf keinen Fall die famadihana, die Totenwendfeier, stören wollten? Zu spät. Keine fünf Minuten vergehen und wir finden uns mitten zwischen sauber eingepackten Leichen, Tänzern und Musikanten wieder. "Das ist der Sohn der Schwester meiner Mutter", stellt uns der Familienälteste seinen verstorbenen Cousin vor, während er auf ein weißes Bündel deutet. Begleitet von madagassischen Musikrhythmen und gewichtigen Ansprachen der Familienältesten wird der Leichnam ausgewickelt und frisch verpackt. Bevor jedoch Raphaël- der Tote- wieder ins Familiengrab getragen wird, werden ihm alle Neuigkeiten der vergangenen Jahre erzählt. "Die Toten sind wie die Wurzeln eines Baumes, von dem wir nur die lebenden Äste sind", erklärt uns der Familienoberste. Sie bestimmen die Normen des Lebens und die Fadys- die Tabus, die sie einst verhängt haben, sind ungeschriebenes Gesetz. Alle drei bis sieben Jahre wird ihnen zu Ehren die famadihana gefeiert, zu der Familienmitglieder aus allen Teilen des Landes zusammenkommen. Im Rhythmus der Musik wiegen junge Frauen und Männer ihre Körper. Immer schneller schlägt der Trommler den Takt, selbstgebrannter Rum fließt in rauhen Mengen, verdreht den Kopf. Mit den ersten Sonnenstrahlen verlassen wir den sagenumwobenen See Tintive und fahren nach Ambositra. Schlagartig ändert sich hier die Landschaft. Riesige Granitblöcke durchsetzen die Reisterrassen. Die Hügel werden schroffer. Bergauf, bergab, schwerer und schwerer drehen die Pedale, bis wir totmüde in Ambositra ankommen. Ein Teller voll Reis und ein weiches Bett in einem der Hotelys wirken Wunder und schon früh am nächsten Morgen kurbeln wir weiter. |
