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Madagaskar by bike:Mit dem Bike durch das Hochland. "Die Straße nach Anoetra?- Wie-es gibt keine?" Unsere Karte ist da anderer Meinung und so landen wir auf einer völlig ausgefahrenen Piste, die in das abgelegene Bergdorf der Zafimary führt. Bis heute bauen die Zafimary ihre Häuser aus Holz. Ihre wunderschönen Schnitzereien rund um die Fenster und die auf Stelzen stehenden Speicherbauten reizen zu Aufnahmen gegen den stahlblauen Himmel. Auffordernd legt mir ein in Tücher gehüllter Greis ein altes Fünf-Franc-Stück in die Hand: "Egalité, Liberté, Fraternité 1876"- Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit - der Wert des Silberstückes liegt in der Erinnerung, während die hohen Ideale auf der Strecke blieben. Die Zeit der großen Münzen ist vorbei. Das weiße Gold Madagaskars ist der Reis. Morgens, mittags, abends- mit oder ohne Fleisch, das weiße Korn, das Erbe Indonesiens prägt den gesamten Lebensrhythmus der bäuerlichen Kultur. 100 km weiter im National Park Ranomafana wird uns bewußt, welch hohen Preis die Madagassen zahlen, um ihre Reisfelder anzulegen. Denn hier, wo Tavy - die traditionelle Brandrodung - und der ungezielte Holzeinschlag verboten sind, wird aus der roten Erde, ein grünes Paradies: feuerrote Früchte, smaragdgrüne Nestfarne und überdimensionale Urwaldriesen verschlingen sich zu einem undurchdringlichen Dickicht. Traditionelle Heiler kennen die unendliche Vielfalt der Heilkräuter des Regenwaldes und selbst die moderne Forschung weiß mittlerweile diese natürliche Apotheke zu schätzen. Lemuren, Kattas und Indris, überall zeigt sich stolz die einzigartige Tierwelt Madagaskars. "Schau", flüstert da Alphose, unser einheimischer Führer und legt seinen Zeigefinger auf die Lippen. Vorsichtig setzt er einen Fuß vor den anderen, entlockt seinem Gaumen kratzige Klicklaute und gibt uns Zeichen, ihm so leise wie mögliche zu folgen und jetzt sehen wir´s auch: Frech blicken zwei große dunkle Kulleraugen auf uns herab - ein Rotstirnmaki räkelt sich in der Sonne, als wisse er um seine Einzigartigkeit. Seit sich vor rund 300 Millionen Jahren die "große Insel" vom Urkontinent Godwanaland gelöste hat und immer weiter von der Küste Afrikas weggedriftet ist, ging die Evolution auf Madagaskar eigene Wege. Rund 80% der Tiere und Pflanzen sind einheimischen Ursprungs und sind so der natürlichen Selektion der übrigen Welt entgangen. Ranomafana, der Ort der "heißen Quellen" ist seit Jahren in einen tiefen Dornröschenschlaf gefallen. Wo einst der Präsident seine Ferien zu verbringen pflegte, hat sich die Natur ihr Reich Stück für Stück zurückerobert. Die Brücke zu den Thermen ist längst von Zyklonen niedergerissen und selbst das ständige Wischen der Badewannen kann dem schwefeligen Gelb keinen Einhalt gebieten. Und während Bäume und blühende Oleander ein natürliches Dach über der Allee vom Hotel zur Badeanstalt geschaffen haben, leisten die verstaubten Blumenrabatten den Kindern als Torpfosten beim Fußballspielen nützliche Dienste. Als wir in der Nacht zurück zum Zeltplatz radeln, leuchten uns Glühwürmchen den Weg und aus dem Dickicht blinken die roten Augen der winzigen nachtaktiven Mausmakis im Schein unserer Stirnlampen. Nach vier Tagen verlassen wir diese verschwenderische Natur und fahren an die Ostküste. Steil fällt das Hochland durch den Regenwald zum indischen Ozean ab. Einbäume, vollbeladen mit Bananen, kippeln über das träge fließende Wasser der Flüsse, die die einzigen Transportwege durch die unwegsamen Wälder sind. In Irondo gabelt sich die Straße zur Küste. Da unser Frühstück heute morgen nicht gerade reichlich war, können wir dem Duft von frischgebrühtem Kaffee nicht widerstehen und machen im Schatten einer mit Bananenblättern gedeckter Hütte halt. Mit der Frage "Misy kafe ve" lösen wir ein mittelgroßes Gekichere bei zwei jungen Mädchen aus, die verlegen an ihren Zöpfen flechten. Trotzdem verstehen sie unseren Wunsch. Schnell werden zwei Emailletassen im Waschwasser geschwenkt und mit dem schwarzen Koffeintrank gefüllt. Den Einwohnern, die neben uns mit Hühnern und Bananenkörben auf ein Sammeltaxi warten, entgeht nichts. Mit wachsamen Augen verfolgen sie, wie wir die Gaze bouffe, die goldbraunen Maniokkrapfen, vertilgen und können es nicht verstehen, daß wir unbedingt, die Strecke nach Manakara mit dem Rad fahren wollen. |
