Reisebericht

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Madagaskar by bike:

Mit der Eisenbahn aus den 30er Jahren durch den tropischen Regenwald. Eine kulinarische Reise von der Küste ins Hochland.

Bis unters Dach beladen mit Hühnern, Bierkästen und Säcken voller Baguette, unter denen unsere Fahrräder begraben sind, setzt sich der Zug langsam in Bewegung. Raaataataa-klong, ratatata-klong, holpern die Waggons vorbei an Reisfeldern und Kaffeeplantagen, bis das Dickicht des Regenwaldes sie zu verschlucken scheint. Über 50 Tunnels haben chinesische Arbeiter Anfang dieses Jahrhunderts in die Berge getrieben, um Fianar mit der Küste zu verbinden. 150 km lang windet sich die schmale Bahntrasse durch den dichten Regenwald. Überwuchert von Bambus, Farnen und Schlingpflanzen ziehen sich die Gleise durch die Landschaft. Beim Anblick des Zuges unterbrechen die Menschen die Arbeit auf den Feldern und winken ausgelassen.
Zweimal täglich öffnet der Zug das Tor zur Außenwelt und läßt für einen Augenblick den Alltag vergessen. Er bringt Freunde, Waren und Informationen mit sich, aber auch die Aussicht, sich ein Zubrot zu verdienen. Frauen und Kinder stehen mit Platten bereit, auf denen sie köstlich geröstete Flußkrebse, frische Ananas und knusprige Blätterteigtaschen zum Verkauf anbieten. Schnell wird der Preis verhandelt, ein Groschen für einen Flußkrebs, Geld und Ware wechseln die Besitzer.

Weiter geht es bergauf. Das rhythmische Geratter wird unregelmäßig und verlangsamt sich bedrohlich. Raataata-Klooong. Im Schrittempo überqueren wir eine Brücke, die sich über das weite Flußtal spannt. Ratataaaa- die Räder der Lok drehen durch. Die nassen Gleise werden zur Rutschbahn. Wir rollen rückwärts. Unwillkürlich kommt uns der Waggon in den Sinn, der wenige Kilometer zuvor umgestürzt im Graben lag. Ein zweiter Versuch. Aber wieder scheitert die Lok an der steilen Schlüsselstelle. Wir schauen auf die Uhr. Seelenruhig koppelt der Zugführer die Lok ans Zugende und dann werden die Waggons zentimeterweise die Steigung hinaufgeschoben. Es ist Mitternacht, als wir nach 14 Stunden Bahnfahrt die Lichter von Fianar erkennen.

Trotz Markt und Universität gefällt uns die Stadt nicht. Ein kurzer Besuch der Altstadt und wir verlassen Fianar. Die Straße führt uns am Fuße der großen Granitmassive entlang gen Westen. Immer seltener werden die Reisfelder und die großen Zebuherden der Bara konzentrieren sich nur noch in den Flußläufen. Bozaka, das unverwüstliche Gras, breitet sich wie ein riesiger Teppich über den steinig kahlen Hügeln aus. Auf den aschblonden Flächen klaffen tiefe rotbraune Wunden, die die Erosion in die Hänge geschnitten hat. Die rote Erde muß bluten und wenn mit dem abendlichen Wind die Feuer entfacht werden, knistert die ganze Hochebene.
Vier Tage radeln wir durch die glühende Hitze bis nach Ioshy. Kerzengerade zieht sich das schwarze Teerband durch die Senke bis kurz vor die Stadt. Die Luft flimmert und läßt den Horizont zu einer verschwommenen Masse werden. Nur noch selten überholen uns schwankende Laster und überfüllte Taxis.

Ioshy ist Zwischenstation. Eine Verschnaufpause, ein letztes Kräftesammeln für die beschwerliche Strecke nach Ranohira. Auf den staubigen Straßen warten Bauern, Reisende und Geschäftsleute darauf, der gnadenlosen Hitze zu entkommen. Doch die wenigen Sammeltaxis sind über Stunden ausgebucht. Die Chance noch am selben Tag in den Isalo-Nationalpark, ins heilige Massiv der Bara zu gelangen ist gleich Null. Wer wollte schon nachts 40 km versandete Piste fahren? Ein letzter Versuch. Es dunkelt bereits, als schließlich zwei Lastwagen anhalten. Ohne lange zu verhandeln, erklären sie sich bereit, uns und unsere Räder mitzunehmen. Zwischen Tabakkisten und Holzkohlesäcken werden unsere Bikes verstaut, während wir thronend im Führerhaus sitzen dürfen. Mitten in der Nacht kommen wir in dem kleinen Dorf Ranohira an. Im Schein einer Kerze zeigt die "Patronne" uns die Zimmer. Obwohl wir sie geweckt haben, kümmert sie sich lieb um uns, richtet die Betten und einen Eimer frischen Wassers. Erst als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster blicken, fällt uns auf in welcher Abgeschiedenheit wir gelandet sind.


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