Das Staßennetz hält so manche Überraschung für uns bereit - schieben, schieben, schieben.
Dort angekommen erwartet uns Sand, Sand und noch mal Sand. Kopfschüttelnd sieht uns der Alte an, den wir nach dem Weg ins Fischerdorf Anakao fragen. Weiterschieben. Bei der nächsten Anfrage haben wir mehr Glück. "Oui, oui, mais beaucoup de sable." Oh, ja der Weg ist versandet, aber immerhin wissen wir nun, daß die Richtung stimmt.
Ehe wir uns versehen, umringt uns eine fröhliche Kinderschar. Wie selbstverständlich begleiten sie uns. Ein kleiner Musicus schrappt auf einer selbstgebastelten Klampfe mit zwei Saiten eine witzige Melodie- schrumm, didelschrumm. Im Trott der Musik schieben wir die Räder durch den knöcheltiefen Sand und vergessen darüber völlig, auf den Weg zu achten. Nach und nach bröckelt unser kleiner "Hofstaat" und da merken wir, daß wir die Orientierung verloren haben.
Die Sonne steht schon schräg am Himmel, als wir in einen kleinen Ort kommen. "Anakao?" fragen wir einen Mann, der gerade seine Ziegen in den Kral treibt. "Non, non, encore 6km!" antwortet er. Noch 6 km ?! Wie in Trance schieben wir weiter, doch Durst und Müdigkeit lassen uns immer langsamer werden. Ausgepowert setzen wir uns in den Schatten der kaktusartigen Pflanzensäulen und ruhen aus. Unendliche Stille. Kein Ziegengemecker, keine Stimmen. Nur der Wind rauscht im Dornengestrüpp. Oder ist es das Meer? Wo sind wir? Sechs Kilometer sind längst vorbei! Glutrot geht die Sonne am Horizont unter. Fast schlagartig wird es dunkel. Keine Chance. Weiterlaufen bei Nacht ist unmöglich. Zu viele kleine Wege zweigen von der Strecke ab. Entmutigt stellen wir unser Zelt auf.
Am nächsten Morgen: Stimmen! "Hörst Du, was ich höre?" Schnell satteln wir die Räder. Wenn wir nur fahren könnten! Die Schieberei scheint ewig. Endlich erreichen wir die Kuppe. Wir trauen unseren Augen nicht: vor uns liegt ein kleines Dorf mit weiß getünchter Kirche. Anakao ?! Egal- Hauptsache Menschen!